Resilienzdefinition

Buchcover ResilienzResilienz (lat.: resilire: „zurückspringen“, „abprallen“) hat seine ursprüngliche Bedeutung in der Physik und beschreibt die Eigenschaft eines Körpers nach seiner Verformung in seinen ursprünglichen Zustand zurückzukehren. In der Psychologie bezeichnet Resilienz seelische Widerstandskraft und die Fähigkeit Krisen gut zu bewältigen. Eine häufig verwendete Metapher ist die des Stehaufmännchens.

Resilienzkonzepte

Das Resilienzkonzept beruht u.a. auf einer Langzeitstudie der Entwicklungspsychologin Emmy Werner. In dieser wurde untersucht, wieso Menschen trotz erschwerten Lebensumständen eine ausgeprägte Widerstandsfähigkeit aufwiesen. Aufgrund verschiedener Studien werden meist sechs bis neun Faktoren definiert werden, die maßgeblich für eine Resilienzentwicklung sind.

Im Konzept von Prof. Heller sind dies: AkzeptanzOptimismus, Selbstwirksamkeit, Eigenverantwortung, Netzwerkorientierung, Lösungsorientierung und Zukunftsorientierung.

Kernelement des Resilienzkonzepts von Karen Reivich und Andrew Shatté ist das sogenannte ABC-Modell, das seinen Ursprung in der rational-emotiven Verhaltenstherapie (REVT) nach Albert E. Ellis hat. Beim ABC-Modell der Resilienz geht es um unsere Art zu Denken und zu Fühlen und wie dies wiederum zusammenhängt. „A“ steht für die Situation („activating event“), „B“ für unsere Interpretation der Situation und Erklärung, wie sie zu Stande kam, („belief systems“) und „C“ steht für die Konsequenzen (Fühlen und Handeln), die auf die Situation folgen („consequences“). Hier ein Beispiel:

  • A: Frau M. wird nicht auf eine Party Ihrer Kollegin eingeladen, zu der allerdings ein paar andere Kollegen eingeladen sind.
  • B: Frau M. denkt „Ich bin nichts wert – keiner mag mich!“
  • C: Sie ist traurig, antriebslos und wenig motiviert, etwas anderes zu unternehmen.

Dieses Szenario zeigt, wie es schnell zu negativen Emotionen aufgrund unserer Bewertung einer Situationen kommen kann. Dies können wir jedoch ändern. Reivich und Shatté nennen es „Learning your ABC“:

  1. Unsere Überzeugungen, Glaubenssätze und Haltungen („beliefs“) identifizieren, die in bestimmten Situationen immer wieder zu negativen Gefühlen führen.
  2. Emotionen herausfinden, die man in der Situation lieber empfinden möchte.
  3. Identifikation einer Haltung, die zu diesem neuen Gefühlszustand führen kann.

Greift man das Beispiel von Frau M. auf, so wäre eine resiliente Reaktion, dass sie an dem Abend der Party etwas Schönes unternimmt, sich z. B. sich mit Freunden trifft („C“). Durch eine andere Haltung („B“) zu der Situation, z. B. durch den Gedanken „Ich gehöre nicht zu ihrem engsten Kollegenkreis, aber trotzdem schätzt sie mich.“ wird sie sich besser fühlen („C“) und auch in Zukunft mit derartigen Situationen selbstbewusst umgehen können.

Eine ausführliche Beschreibung zum ABC-Modell erhalten Sie hier.

Jutta Hellers Resilienzkonzept mit den sieben Schlüsselfaktoren greift u.a. diese Aspekte von Werner und Reivich & Shatté auf und verknüpft es mit der Neurolinguistischen Psychologie. Mit diversen Interventionen und Übungen zu den Schlüsseln kann Resilienz in einem Resilienztraining aufgebaut werden.

Resilienz in Unternehmen

Resilienz bezieht sich nicht nur auf Menschen. Seit den 1990er Jahren findet man das Resilienzkonzept mehr und mehr im Zusammenhang mit Organisationen und Unternehmen. Dabei geht es vor allem um die Robustheit von Unternehmen in unerwarteten Krisen (unsicherer Marktlage, Wirtschaftskrisen, etc.). Mehr dazu lesen Sie hier.

Entwicklung von Resilienz bei Kindern

Die Entwicklung von Resilienz ist insbesondere bei Kindern sehr gut untersucht worden. Die Studie von Emmy Werner hat viel dazu beigetragen, aber auch die Bielefelder Invulnerabilitätsstudie, die Mannheimer-Risikokinder-Studie sowie aktuelle Untersuchungen in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen von Klaus Fröhlich-Gildhoff u.a.. Letzterer bietet im Rahmen seiner Forschungsarbeit Resilienztrainings für Kinder, Erzieher und Eltern an. Aspekte zur Resilienzentwicklung bei Kindern diskutiert Gerd Scobel in seiner Sendung auf 3sat mit Gästen. Diese Sendung anzuschauen lohnt sich wirklich.

Bücher zu Resilienz

Lesenswert ist die Biografie von Boris Cyrulnik „Rette Dich, das Leben ruft“. Inzwischen gibt es zahlreiche Bücher mit guten Empfehlungen, um Resilienz für den einzelnen, für Führungskräfte und für Unternehmen zu entwickeln. Viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Schmökern.

Weitere Bücher:

  • Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, M. (2014). Resilienz. München: Reinhardt.
  • Mourlane, D. (2012). Resilienz: Die unentdeckte Fähigkeit der wirklich Erfolgreichen. Göttingen: BusinessVillage.
  • Wellensiek, S. K. (2012). Fels in der Brandung statt Hamster im Rad: Zehn praktische Schritte zu persönlicher Resilienz. Weinheim und Basel: Beltz.
  • Rampe, M. (2010). Der R-Faktor. Das Geheimnis unserer inneren Stärke.
  • Gruhl, M. (2010). Die Strategie der Stehauf-Menschen: Krisen meistern mit Resilienz. Freiburg: Kreuz Verlag.
  • Siebert, A. (2005). The Resiliency Advantage: Master Change, Thrive Under Pressure, and Bounce Back from Setbacks. San Francisco: Berrett-Koehler.
  • Reivich, K. & Shatté, A. (2003). The Resilience Factor. 7 Keys to Finding Your Inner Strength and Overcoming Life’s Hurdles. New York: Broadway Books.

 

 

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