Foto © stock.adobe180208829

Resilienzfaktoren: Definition und Begriffsklärung

In der aktuellen Resilienzforschung wird Resilienz zunehmend nicht mehr als statisches Set einzelner Eigenschaften verstanden, sondern als dynamischer Prozess der Anpassung und positiven Entwicklung in Reaktion auf Belastung und Veränderung. Resilienzfaktoren sind dabei die unterstützenden Variablen, die diesen Prozess ermöglichen und fördern. Wissenschaftlich lassen sich Resilienzfaktoren als individuelle, soziale und kontextbezogene Ressourcen definieren, die die Fähigkeit einer Person, eines Teams oder einer Organisation erhöhen, mit Stressoren, Herausforderungen und Krisen konstruktiv umzugehen und daraus Erkenntnisse und Entwicklungspotenziale zu gewinnen.

In der Praxis werden diese unterstützenden Variablen in der populären Literatur häufig als „Säulen der Resilienz“ bezeichnet, was das Bild eines stabilen Fundaments evoziert. Zur Betonung ihrer Dynamik und ihrer Funktion als lern- und entwicklungsfähiger Hebel verwende ich hingegen bevorzugt den Begriff „Resilienzschlüssel“. Beide Bezeichnungen – Faktoren/Säulen und Schlüssel – werden im Artikel synonym verwendet, wobei „Schlüssel“ insbesondere den Aspekt der situativen Aktivierung, der Erkenntnisgewinnung und der persönlichen Entwicklung stärker hervorhebt.

Begriff „Resilienzfaktoren/Resilienzschlüssel

Der gegenwärtige Artikel verwendet den Ausdruck „Resilienzfaktoren“ als Sammelbegriff für Fähigkeiten, Ressourcen und verhaltensbezogene Merkmale, die zur Bewältigung von Herausforderungen beitragen. In Teilen der Resilienzliteratur taucht dieselbe inhaltliche Kategorie als „Säulen der Resilienz“ auf, insbesondere im Kontext populärer Modelle wie dem Modell der sieben Säulen. Dieser Begriff ist weit verbreitet und erleichtert die Kommunikation, legt jedoch nahe, Resilienz sei ein fixer, statischer Bau, was dem prozessorientierten Verständnis moderner Resilienzkonzepte nur teilweise gerecht wird.

Daher wird hier bevorzugt der Begriff „Resilienzschlüssel“ verwendet: Er signalisiert nicht nur unterstützende Eigenschaften, sondern betont, dass diese Variablen aktiv erschlossen, aktiviert und weiterentwickelt werden können – ähnlich einem Schlüssel, der neue Einsichten, Handlungsmöglichkeiten und Entwicklungswege eröffnet. In den Publikationen von Prof. Jutta Heller wird ein Konzept entwickelt, das auf verschiedenen Schlüssel-Sets für individuelle Resilienz, Team-Resilienz und organisationale Resilienz basiert. In der praxisorientierten Resilienzentwicklung in Unternehmen wird abhängig vom Ziel des Kundenprojekts das passende Set ausgewählt und dann der Schwerpunkt der Maßnahmen auf die relevanten Resilienzfaktoren dieses Sets gelegt.

Im Kontext von Forschungsprojekten und Maßnahmen zur Resilienz-Stärkung werden Resilienzfaktoren häufig unterschiedlich bezeichnet. Wichtig ist aber nicht die Überschrift, sondern was unter dem jeweiligen Resilienzschlüssel subsummiert wird. Beispielsweise heißt der Resilienzschlüssel „Zukunftsorientierung“ bei anderen AutorInnen „Zielorientierung“ oder „Zukunftsplanung“, bezieht sich aber inhaltlich auf dieselben Konzepte (Heller 2015, S. 17).